Manchmal formulieren Eltern es so: «Wir verstehen, dass mit dem Kind etwas passiert, verstehen aber nicht — wohin damit gehen.» In der Suche sehen Sie Psychologen, Coaches, Mentoren, Psychotherapeuten — alle haben schöne Texte und verschiedene Preise, aber Klarheit wird nicht mehr.
In der Zwischenzeit zu Hause:
- der Jugendliche explodiert manchmal, zieht sich dann in tiefes Schweigen zurück;
- Schule, Motivation und Selbstvertrauen sinken;
- jedes «Wie geht’s dir?» endet leicht mit Geschrei, Vorwürfen oder einer zugeschlagenen Tür.
Und die sehr verständliche Frage entsteht: Wohin gehen, damit es dem Kind und Ihnen wirklich leichter wird und nicht noch ein «muss» hinzufügt?
Ich bin Beraterin für Jugendentwicklung in Nürnberg. In diesem Artikel werde ich nicht «mein» Format verteidigen, sondern ruhig aufschlüsseln:
- wie sich Berater, Coach, Mentor und Psychotherapeut unterscheiden;
- mit welchen Anliegen zu wem es logisch ist zu gehen;
- wann private Beratung ausreicht und wann bereits Psychotherapie über Krankenkasse nötig ist;
- was man tun kann, wenn Sie noch im Stadium sind: «verstehen, dass wir selbst nicht zurechtkommen».
Wenn Sie beim Lesen merken, dass Sie Ihre spezifische Situation besprechen möchten, können Sie über den Bereich «Für Eltern» ein Kennenlerngespräch vereinbaren.
1. Berater: wenn wichtig ist zu verstehen, was überhaupt passiert
Meistens kommen Eltern zur Beratung nicht mit fertiger Formel «wir brauchen Therapie/Coaching», sondern mit Gefühl: «etwas ist schiefgelaufen».
Unter «psychologischer Beratung» in Deutschland versteht man normalerweise nicht medizinische, sondern gesprächsorientierte, unterstützende Arbeit — ohne Diagnose, ohne Krankenkasse und ohne Eintrag in Karte.
Aufgaben psychologischer Beratung
Im Format der Beratung:
- sammeln wir ganzheitliches Bild: was passiert in Familie, Schule, Kopf des Jugendlichen und bei Eltern;
- übersetzen Verhalten in Sprache der Ursachen: von «er ist einfach frech» zu «er verteidigt sich so / bricht zusammen / kommt mit Belastung nicht zurecht»;
- suchen, wo Altersbesonderheiten enden und «rote Flaggen» beginnen;
- bauen verständlichen Plan: was in nächsten 2–4 Wochen versuchen — sowohl Jugendlichen als auch Erwachsenen.
Wichtig: Das ist private, nicht medizinische Hilfe.
- keine Diagnose;
- keine «Registrierung» bei Krankenkasse;
- Bezahlung übernimmt Familie.
Wann Format der Beratung normalerweise passt
Beratung ist guter erster Schritt, wenn Sie bemerken:
- häufige Streitereien zu Hause, Gefühl «wir sprechen verschiedene Sprachen»;
- viele Tränen, Reizbarkeit, emotionale Schwankungen;
- Schwierigkeiten mit Anpassung nach Umzug, Schulwechsel, Mobbing;
- Müdigkeit und Burnout im Zusammenhang mit Schule und Prüfungen;
- Ihr eigenes Gefühl der Hilflosigkeit: «wir lieben, verstehen aber nicht, wie wir helfen können».
Aufgabe der Beratung — Verständnis und Halt zurückgeben. Manchmal wird danach klar, dass das ausreicht. Manchmal — dass nächster Schritt nötig ist.
2. Coach für Jugendliche: wenn Frage nicht «was mit mir», sondern «wie machen»
Coaching ist nicht mehr so sehr über «warum passiert das», sondern über «wie anders».
Fokus hier nicht auf Schmerz, sondern auf Ziel:
- Noten in konkreten Fächern verbessern;
- Prüfungen ohne totale Panik bestehen;
- Planen lernen und nicht bis zum letzten Moment aufschieben;
- vor Klasse sprechen ohne Blockade;
- Routine und Selbstdisziplin aufbauen.
Wie Coaching mit Jugendlichen normalerweise aussieht
In der Praxis ähnelt es gemeinsamen Projekt:
- Formulieren offensichtliches, verständliches Ziel für Jugendlichen — nicht «verantwortlich werden», sondern z. B. «Hausaufgaben rechtzeitig abgeben und Prüfungen nicht durchfallen».
- Teilen es in kleine Schritte, die wirklich in sein Leben passen, nicht in ideales Bild.
- Geben Werkzeuge: Planungsmethoden, Selbstregulierungstechniken vor Prüfung, Vereinbarungen mit Eltern, damit System nicht nach zwei Tagen zusammenbricht.
- Ziehen regelmäßig Bilanz: was funktioniert hat, was stört, was ändern.
Coaching ist normalerweise kürzer: manchmal 4–8 Treffen geben bereits spürbare Verschiebungen.
Wann Coaching angemessene Wahl ist
- Hauptanliegen — Schule, Prokrastination, Zeitorganisation;
- Jugendlicher erkennt, dass Ergebnis ihm trotzdem nötig ist (auch wenn er es seufzend sagt);
- Sie sehen keine ausgeprägte Depression, schwere Angstsymptome, Geschichten mit Selbstverletzung — Situation ist komplex, aber nicht krisenhaft.
Oft passiert es so: Wir beginnen mit Beratung, um Tiefe zu verstehen, und entscheiden dann — reicht Coaching-Format oder braucht es etwas Tieferes.
3. Mentor: «eigener» Erwachsener auf langer Distanz nebenan
Mentor ist nicht über ein Anliegen, sondern über Weg des Erwachsenwerdens.
Besonders relevant für Jugendliche, die zwischen Kulturen aufwachsen: zu Hause — eine Sprache und Regeln, in deutscher Schule — ganz andere Erwartungen.
Wie Mentor sich von Coach unterscheidet
- Coaching hat klar umrissenes Ziel und Ende des Prozesses.
Mentoring hat breiteren Fokus: «wie werde ich erwachsen, wer will ich sein, welche Grenzen und Werte habe ich». - Coaching ist oft zeitlich begrenzt.
Mit Mentor kann man länger arbeiten: zu wichtigen Wendepunkten zurückkehren, wenn es wieder «wackelt». - Mentor ist sowohl Lehrer als auch Übersetzer zwischen Welten: zwischen Familie und Außenwelt, zwischen «muss» und «will».
Wann Format des Mentorings besonders nützlich ist
- Jugendlicher denkt viel darüber nach, wer er ist und wohin weiter;
- Sie sind umgezogen, und er lebt in Zustand «zwischen zwei Ländern»;
- Beziehungen zu Hause sind angespannt, aber es gibt Anliegen nach Erwachsenem, dem man vertrauen und ehrlich sprechen kann;
- Sie als Elternteil möchten, dass Kind zuverlässigen Erwachsenen außerhalb Familie hat, zu dem man nicht nur «wenn Feuer» kommen kann, sondern auch davor.
Manchmal wächst Mentoring aus Beratung: zuerst stabilisieren wir Situation, bleiben dann als begleitender Erwachsener.
4. Psychotherapeut: wenn es bereits um Behandlung geht
Psychotherapie in Deutschland ist medizinische Leistung.
Was das in der Praxis bedeutet:
- Arbeit führt Psychotherapeut*in mit offizieller Lizenz;
- für Therapiebeginn braucht es normalerweise Diagnose (z. B. Depression, Angststörung, Essstörung usw.);
- in vielen Fällen bezahlt Krankenkasse Therapie, wenn Kriterien erfüllt sind und Genehmigung vorliegt.
Signale, dass Psychotherapie nötig ist
Wenn Sie beim Jugendlichen eines oder mehrere der folgenden bemerken, ist es wichtig, das so schnell wie möglich mit Arzt oder Psychotherapeuten zu besprechen:
- langanhaltende (Monate) niedrige Stimmung, Verlust von Interesse am Leben, fehlende Kräfte;
- starke Angst, Panikattacken;
- Selbstverletzung, Gespräche darüber, dass «leben nicht will», Drohungen gegen sich oder andere;
- ausgeprägte Essstörungen;
- erlebte traumatische Ereignisse: Gewalt, schwerer Unfall, ständige Gewalt in Familie.
In diesen Fällen können Beratung und Coaching nur Ergänzung sein, aber nicht Ersatz für Therapie. Manchmal begleiten wir Familie parallel zur Therapie — als Halt und Raum für Eltern.
Ich stelle in meiner Arbeit keine medizinischen Diagnosen und führe keine Therapie über Krankenkasse. Aber wenn ich im Prozess der Beratungen sehe, dass Therapie nötig ist, sage ich das ehrlich und helfe, sich zu orientieren, wohin und womit besser zu gehen.
5. Wie verstehen, was zu Ihnen passt: Schritt-für-Schritt-Logik
Statt zu versuchen, «richtiges Format» zu erraten, ist es nützlich, mehrere Fragen durchzugehen.
- Was schmerzt in Ihrer Situation am meisten?
Beziehungen zu Hause, Verhalten, Emotionen, Schule, Selbstwertgefühl, Freundeskreis? - Wie lange dauert das schon?
Paar Wochen nach stressigem Ereignis, mehrere Monate, länger als ein Jahr? - Gibt es beim Jugendlichen Gedanken über Selbstverletzung oder Äußerungen «ich will nicht leben»?
Wenn ja — erster Schritt sollte Bewertung des Zustands bei Arzt/Psychotherapeuten sein. - Wie bereit ist Jugendlicher, zumindest zu versuchen, mit jemandem außerhalb Familie zu sprechen?
Manchmal ist es einfacher, mit Beratung oder weicherem Format zu beginnen, dann bei Bedarf zu Therapie überzugehen.
Oft kommen Eltern zum ersten Treffen mit Phrase: «Wir sind unsicher, ob wir Berater, Coach oder Therapeuten brauchen. Wir sehen einfach, dass es so nicht weitergehen kann.»
Das ist absolut normaler Startpunkt. Bei Erstberatung besprechen wir Situation ruhig und bestimmen, was jetzt sicherster und machbarster Schritt genau für Ihre Familie ist.
Mehr über Format solchen Treffens beschreibe ich auf Seite «Für Eltern».
6. Wie ich normalerweise Jugendliche und Eltern berate
Mein Ansatz passt selten in ein starres Etikett. In der Arbeit kombiniere ich:
- psychologische Beratung — über Emotionen, Konflikte, Grenzen, Familiendynamik;
- Coaching-Elemente — über Ziele, Prüfungen, Fähigkeiten, konkrete Schritte;
- mentorische Sicht — über lange Distanz des Erwachsenwerdens, Identität und Leben «zwischen Kulturen».
Wir schauen zusammen, welches Niveau jetzt für Jugendlichen und Sie machbar ist:
- wer zuerst Unterstützung braucht — Kind, Eltern oder alle gleichzeitig;
- was man bereits jetzt ändern kann, ohne globale Revolutionen;
- wo sanfte Anpassung nötig ist und wo — ernsthaftere Schritte.
Wenn im Prozess der Arbeit klar wird, dass genau Psychotherapie nötig ist, «halte» ich Familie nicht um jeden Preis, sondern helfe, nächsten Schritt zu machen — und bleibe, wenn nötig, Raum der Unterstützung während Suche nach Fachmann.
7. Was bereits erstes Treffen gibt
Erste Beratung nehmen Eltern oft als Hypothesenprüfung wahr: «Sind wir überhaupt dahin gekommen?»
Tatsächlich ist das bereits vollwertiger Arbeitsschritt.
Bei einem solchen Treffen schaffen wir normalerweise:
- Geschichte sammeln — wie Sie zu dem gekommen sind, was jetzt passiert.
- Altersbesonderheiten und echte Risiken auseinanderhalten.
- Konkrete Schritte für nächste Wochen skizzieren — was kann man in Kommunikation, Belastung, Reaktion auf Verhalten des Jugendlichen ändern.
- Besprechen, welches Format der Hilfe weiter passt: Beratung fortsetzen, Coaching-Elemente einbeziehen, Psychotherapeuten suchen oder Optionen kombinieren.
Wenn Sie spüren, dass Sie an Punkt «wir wollen nicht warten, bis es ganz schlecht wird» sind — ist das bereits guter Moment zu kommen.
Mehr darüber, wie das praktisch funktioniert, habe ich im Bereich «Für Eltern» gesammelt.
8. Wenn Hilfe nicht «irgendwann», sondern jetzt nötig ist: wichtige Kontakte in Deutschland
Wenn Sie ein Lebensrisiko sehen oder das Gefühl haben, dass die Situation außer Kontrolle gerät, warten Sie nicht auf einen freien Termin — weder bei einem Berater, noch bei einem Coach, noch bei einem Therapeuten.
Bei akuter Lebensgefahr (Suizidgedanken, Selbstverletzung):
- 112 — Notruf (rund um die Uhr);
- 110 — Polizei (wenn direkte Gefahr für die Sicherheit besteht).
Krisenpsychologische Hilfe:
- Telefonseelsorge:
0800 111 0 111 oder 0800 111 0 222 (rund um die Uhr, kostenlos, anonym); - Nummer gegen Kummer (für Kinder und Jugendliche):
116 111 (Mo–Sa 14:00–20:00, kostenlos); - Nummer gegen Kummer (für Eltern):
0800 111 0 550 (Mo–Fr 9:00–11:00, Di und Do 17:00–19:00, kostenlos).
Offizielle Hilfeportale für Familien:
- Familienportal des BMFSFJ — offizielles Portal des Bundesministeriums für Familie, Senioren, Frauen und Jugend
- Bundeszentrale für gesundheitliche Aufklärung (BZgA) — Bundeszentrale für gesundheitliche Aufklärung
Krisenhilfe:
- Nummer gegen Kummer — offizielle Informationen zu Beratungstelefonen für Kinder, Jugendliche und Eltern
- Telefonseelsorge — Telefonseelsorge (rund um die Uhr)
Wichtig: Dieser Text ist keine Diagnose und kein Ersatz für eine persönliche Beratung oder medizinische Hilfe.
Wenn Sie bei einem Jugendlichen ernsthafte Veränderungen im Verhalten oder emotionalen Zustand bemerken, ist es besser, dies mit einem Fachmann zu besprechen, als zu hoffen, dass es «von selbst vorbeigeht».
Autorin: Irina Kimnatna, Beraterin für Jugendentwicklung in Nürnberg.