Manchmal beschreiben Eltern es so: «Die Lehrerin sagt, das Kind ist unaufmerksam, unorganisiert, stört andere. Zu Hause vergisst es Hausaufgaben, Hefte sind im Chaos, jeden Tag Konflikte wegen der Schule. Wir wissen nicht, was wir tun sollen — ist es einfach Faulheit? Oder schon ADHS?»
In der Zwischenzeit in der Schule:
- Lehrer beschweren sich über Unaufmerksamkeit und Disziplinstörungen;
- Noten fallen, obwohl die Fähigkeiten da sind;
- der Jugendliche hört: «Könnte mehr, wenn er wollte» — und das Selbstvertrauen bröckelt;
- zu Hause — tägliche Streitereien wegen der Schule, Organisation und Motivation bei null.
Und die Frage entsteht: Wie kann man einen Jugendlichen mit ADHS in der Schule unterstützen, damit es wirklich hilft und nicht noch mehr Druck erzeugt?
Ich bin Beraterin für Jugendentwicklung in Nürnberg. In diesem Artikel erkläre ich:
- was ADHS im schulischen Kontext bedeutet und wie es sich zeigt;
- welche Anpassungen in der Schule möglich sind (Nachteilsausgleich);
- praktische Schritte für zu Hause und Schule;
- wann professionelle Hilfe nötig ist und wo man sich hinwenden kann.
Wenn Sie beim Lesen merken, dass Sie Ihre spezifische Situation besprechen möchten, können Sie über den Bereich «Für Eltern» ein Kennenlerngespräch vereinbaren.
Wichtig: ADHS wird nur von einem Arzt (Kinder- und Jugendpsychiater oder Neurologe) diagnostiziert. Dieser Artikel dient der Information und ersetzt keine medizinische Diagnostik.
1. Was ist ADHS in der Schule: nicht «schlechtes Verhalten», sondern eine neuroentwicklungsbedingte Störung
ADHS (Aufmerksamkeitsdefizit-Hyperaktivitätsstörung) ist eine neuroentwicklungsbedingte Störung, die nur von einem Arzt diagnostiziert wird und drei Bereiche betrifft:
- Aufmerksamkeit — Schwierigkeiten bei der Konzentration, besonders bei langweiligen oder monotonen Aufgaben, leicht ablenkbar;
- Impulsivität — Antworten platzen heraus, unterbricht, handelt ohne nachzudenken;
- Aktivität — innere oder äußere Unruhe, «ständig in Bewegung» oder gedanklich «irgendwo weit weg».
Wichtig zu verstehen:
- ADHS ist keine Charakterschwäche und keine Folge schlechter Erziehung;
- Die typische Schulumgebung (langes Sitzen, viel Frontalunterricht) ist besonders schwierig für Jugendliche mit ADHS.
Wie zeigt sich ADHS im schulischen Kontext
Typische Muster:
- Aufgaben werden begonnen, aber nicht beendet;
- Materialien gehen verloren (Hefte, Bücher, Stifte) — «Ich habe es vergessen»;
- der Jugendliche wirkt «verträumt» oder «übererregt», je nach ADHS-Typ;
- Rückmeldung von Lehrern: «Unaufmerksam, stört den Unterricht, könnte mehr, wenn er wollte».
Das kann das Selbstwertgefühl stark beeinträchtigen: Jugendliche mit ADHS hören jahrelang, dass sie «unorganisiert, faul, respektlos» sind, obwohl sie oft enorme Anstrengungen unternehmen.
2. Wie Sie einen Jugendlichen mit ADHS in der Schule unterstützen: praktische Schritte
Schritt 1: Arbeiten Sie mit der Schule zusammen
Wichtig ist, den Kontakt so früh wie möglich herzustellen:
- mit dem Klassenlehrer oder einer vertrauensvollen Lehrkraft;
- bei Bedarf — mit der Schulsozialarbeit.
Ziele:
- Klären: Welche Schwierigkeiten werden konkret in der Schule bemerkt?
- Unterstützung vereinbaren: z. B. kurze Erinnerung an Aufgaben, zusätzliches Arbeitsblatt, Platz mit weniger Ablenkungen.
Ein respektvoller, sachlicher Ton ist wichtig:
«Wir sehen zu Hause deutliche Schwierigkeiten mit der Konzentration und vermuten ADHS. Können wir gemeinsam schauen, was Ihrem Schüler / Ihrer Schülerin im Unterricht hilft?»
Schritt 2: Schaffen Sie Struktur zu Hause
ADHS bedeutet:
- Der Jugendliche braucht mehr Struktur, nicht mehr Druck;
- kurze, klare Schritte funktionieren besser als lange Vorträge.
Statt:
«Setz dich hin und mach alle Hausaufgaben!»
Besser:
- Gemeinsame Übersicht: «Was genau muss heute gemacht werden?»
- Aufgaben in kleine Blöcke (10–20 Minuten) aufteilen;
- Timer stellen, kurze Pause, nächster Block.
Schritt 3: Organisieren Sie den Arbeitsplatz
Hilfreich:
- fester Platz (wenn möglich ohne Ablenkungen);
- begrenzte Materialien (nur das, was für diese Aufgabe nötig ist);
- sichtbare To-do-Liste für den Tag.
Beispiel:
- «Heute: Mathe-Arbeitsblatt, Englisch-Vokabeln, Unterschrift im Hausaufgabenheft»;
- Nach jeder erledigten Aufgabe — abhaken — sichtbare Erfolge helfen.
3. Nachteilsausgleich: Was in der Schule möglich ist
Bei diagnostiziertem ADHS gibt es oft ein Recht auf Nachteilsausgleich, zum Beispiel:
- mehr Zeit bei Klassenarbeiten;
- ruhigerer Platz zum Schreiben;
- alternative Prüfungsformate (mündlich/schriftlich kombiniert);
- Unterstützung bei der Strukturierung großer Aufgaben.
Verfahren (typisch, z. B. in Bayern):
- Kontaktaufnahme mit einem Kinder- und Jugendpsychiater oder spezialisierten Kinder- und Jugendpsychotherapeuten;
- Diagnostik und schriftliche Stellungnahme;
- Antrag an die Schule (über die Schulleitung), oft entschieden in der Klassenkonferenz.
4. Wann professionelle Hilfe nötig ist
Es lohnt sich, professionelle Unterstützung zu suchen, wenn:
- Sie den Alltag kaum ohne täglich eskalierende Konflikte bewältigen;
- Schule, Freunde und Familie ständig unter der Situation leiden;
- zusätzliche Symptome von Depression, Angst oder Schulverweigerung auftreten;
- der Jugendliche sich stark abwertet oder von «keiner Zukunft» spricht.
Mögliche Anlaufstellen:
- Kinder- und Jugendpsychiatrie (KJP) — Diagnostik, bei Bedarf medikamentöse Behandlung, Empfehlungen für die Schule;
- Kinder- und Jugendpsychotherapie — Verhaltensstrategien, Arbeit am Selbstwertgefühl und Emotionsregulation;
- Psychologische Beratung — Begleitung der Familie, Entlastung von Konflikten und praktische Strategien für den Alltag.
Das ist keine Schwäche — das ist Fürsorge.
Beratung für Eltern in Nürnberg kann helfen, die nächsten Schritte zu klären und die Zusammenarbeit mit Schule und Fachkräften vorzubereiten.
5. Wenn Hilfe nicht «irgendwann», sondern jetzt nötig ist: wichtige Kontakte in Deutschland
ADHS selbst ist keine Notfallsituation — aber die Folgen (Depression, Suizidgedanken, aggressive Eskalationen) können es sein.
Bei akuter Lebensgefahr (Suizidgedanken, Selbstverletzung):
- 112 — Notruf (rund um die Uhr);
- 110 — Polizei (wenn direkte Gefahr für die Sicherheit besteht).
Krisenpsychologische Hilfe:
- Telefonseelsorge:
0800 111 0 111 oder 0800 111 0 222 (rund um die Uhr, kostenlos, anonym); - Nummer gegen Kummer (für Kinder und Jugendliche):
116 111 (Mo–Sa 14:00–20:00, kostenlos); - Nummer gegen Kummer (für Eltern):
0800 111 0 550 (Mo–Fr 9:00–11:00, Di und Do 17:00–19:00, kostenlos).
Kinder- und jugendpsychiatrische Hilfe:
- Nächste Kinder- und Jugendpsychiatrische Klinik oder Praxis;
- Über den Hausarzt kann eine Überweisung organisiert werden.
Offizielle Hilfeportale für Familien:
- Familienportal des BMFSFJ — offizielles Portal des Bundesministeriums für Familie, Senioren, Frauen und Jugend
- Bundeszentrale für gesundheitliche Aufklärung (BZgA) — Bundeszentrale für gesundheitliche Aufklärung
Krisenhilfe:
- Nummer gegen Kummer — offizielle Informationen zu Beratungstelefonen für Kinder, Jugendliche und Eltern
- Telefonseelsorge — Telefonseelsorge (rund um die Uhr)
Wichtig: Dieser Text ist keine Diagnose und kein Ersatz für eine persönliche Beratung oder medizinische Hilfe.
Wenn Sie bei einem Jugendlichen ernsthafte Veränderungen im Verhalten oder emotionalen Zustand bemerken, ist es besser, dies mit einem Fachmann zu besprechen, als zu hoffen, dass es «von selbst vorbeigeht».
Autorin: Irina Kimnatna, Beraterin für Jugendentwicklung in Nürnberg.